Irgendwann kommt der Moment: Du hast Schals und Tücher gestrickt, vielleicht schon eine Mütze oder eine Mütze – und jetzt fragst du dich: Wie strickt man eigentlich Socken? Die Antwort lautet: einfacher als du denkst. Und süchtigmachender als du ahnst.
Socken sind eines der befriedigendsten Strickprojekte überhaupt. Sie sind kompakt genug für die Handtasche, fertig in zwei bis vier Wochen, und das Ergebnis – ein selbst gestricktes Paar Socken, das perfekt sitzt – ist ein Gefühl, das einen nicht mehr loslässt. Dieser Artikel erklärt alles, was du für dein erstes Paar brauchst: die richtige Ausrüstung, den Aufbau einer Socke, die wichtigsten Fersentypen, wie man die Größe bestimmt – und warum man fast immer gleich zwei Socken auf einmal strickt.
Warum sind Socken so besonders?
Mehrere Eigenschaften machen Socken zu einem einzigartigen Strickprojekt:
Portabilität: Ein Sockenprojekt passt in jede Tasche. Schaft und Bündchen sind reine Rundenarbeit – ideal für Strickzeiten unterwegs, in der Bahn, im Wartezimmer.
Überschaubare Menge: Für ein Paar Socken in Erwachsenengröße brauchst du in der Regel ein Knäuel Fingering-Garn (100g, 400m). Das ist eine klar begrenzte Investition – keine endlose Liste von Knäueln.
Schnelle Ergebnisse: Ein Paar Socken ist in zwei bis vier Wochen fertig, auch für Anfänger. Das macht Socken zu einem der motivierendsten Projekte überhaupt.
Selbst gestrickte Socken tragen sich anders: Wer einmal selbst gestrickte Wollsocken getragen hat – weich, formgenau, aus hochwertiger Merinowolle – kauft danach nur noch ungern maschinell gestrickte Socken.
Endloser Spielraum: Socken können in allen Farben, mit Mustern, mit Farbwork, mit Lace-Elementen oder schlicht einfarbig gestrickt werden. Man kann ein Leben lang Socken stricken und die Ideen gehen nicht aus.
Was du brauchst: Ausrüstung für das erste Paar
Garn
Für das erste Paar empfehlen wir ein klassisches Fingering-Sockengarn mit Nylon-Anteil (typisch: 75% Wolle, 25% Nylon). Das Nylon erhöht die Abriebfestigkeit an Ferse und Spitze – dort, wo am meisten Reibung entsteht. Ein reines Merinogarn (100% Merino ohne Nylon) ist zwar weicher, aber für Socken nicht geeignet: Ohne Nylon entwickeln sich an den Belastungsstellen schnell Löcher, oft schon nach wenigen Tragezyklen. Für das erste Paar also unbedingt ein Garn mit Nylon-Anteil wählen.
Gute Einstiegsgarne:
– Opal Hundertwasser (75% Schurwolle, 25% Polyamid, 425m/100g): Selbstmusterndes Garn – du strickst einfach glatt rechts und ein Muster entsteht von allein. Klassische Zusammensetzung, erschwinglich.
– Gründl Hot Socks Madena (75% Schurwolle, 25% Polyamid, 420m/100g): Sanfte Farbübergänge, günstiger Einstieg.
– Gründl Hot Socks Simila (75% Schurwolle, 25% Polyamid, 420m/100g): Mit Markierungsfaden, der anzeigt, wo das Muster sich wiederholt – so strickst du automatisch zwei identische Socken.
– Woolly Hugs Weltrekord Sockenwolle (75% Schurwolle, 25% Polyamid, 420m/100g): Solide, günstig, große Farbauswahl.
– CoopKnits Socks Yeah! (75% Merino, 25% Nylon, 422m/50g): Superwash, angenehm zu verstricken.
– Urth Yarns Uneek Sock Kit (75% Merino, 25% Nylon, 400m/100g): Kommt als Kit mit vorgeplantem Streifenverlauf – beide Socken werden automatisch identisch. Superwash.
Für Fortgeschrittene – handgefärbte Sockengarne:
– Hedgehog Fibres Sock Yarn (90% Superwash Merino, 10% Nylon, 400m/100g): Handgefärbt, intensive Farben. Superwash.
– Atelier Franziska Uhl Fine Merino Sock (75% Merino, 25% Nylon, 400m/100g): Handgefärbt, superwash. Auch schön für Tücher und Schals.
– Atelier Franziska Uhl True Sock (75% Schurwolle, 25% Polyamid, 420m/100g): Handgefärbt, extrem robust und langlebig. Superwash, mulesingfrei.
– CowGirlBlues Proper Sock (Superwash Merino + Nylon, ca. 400m/100g): Fair Trade, mit schönen langen Farbverläufen.
Für das erste Paar lieber eine mittelhelle oder helle Farbe wählen – in dunklen Farben sieht man die Maschen schwerer, was das Zurückstricken und Fehler-Erkennen erschwert.
Nadelstärke: Fingering-Sockengarne werden auf 2–2,75mm gestrickt. Die meisten Anleitungen empfehlen 2,25–2,5mm.
Nadeln: Welche Methode für Sockenstricken?
Socken werden in der Runde gestrickt – auf kleinen Nadeln. Es gibt drei verbreitete Methoden:
Doppelspitz-Nadeln (DPN – Double Pointed Needles): Die klassische Methode. Du verteilst die Maschen auf 4 oder 5 kurze Nadeln (je nach Präferenz) und strickst immer von einer auf die nächste. Die ersten paar Runden fühlen sich etwas unhandlich an – das Gebilde aus mehreren Nadeln lässt sich schwer halten. Nach dem ersten Zentimeter Bündchen sitzt alles, und viele Strickerinnen lieben DPN wegen ihrer Kompaktheit.
Magic Loop (Magische Schleife): Eine lange Rundstricknadel (80–100cm), mit der die Maschen in zwei Hälften aufgeteilt werden. Die Nadel bildet eine Schlaufe in der Mitte, und du strickst immer eine Hälfte nach der anderen. Vorteil: Keine losen Nadelspitzen, kein Verlieren von Nadeln. Viele Einsteiger finden Magic Loop intuitiver als DPN.
Zwei kurze Rundnadeln: Zwei kurze Rundnadeln (40cm), je eine für die vordere und die hintere Hälfte der Maschen. Ähnlich wie Magic Loop, aber mit zwei separaten Nadeln.
Alle drei Methoden führen zum selben Ergebnis. Wähle diejenige, die sich für dich am intuitivsten anfühlt. Es gibt keine „richtige" Methode – nur persönliche Präferenz.
Zubehör: Maschenmarkierungen (mindestens 4), ein Maschenmaß, eine stumpfe Nähnadel zum Einarbeiten der Fäden. Optional: ein Reihenzähler für Fersenabschnitte.
Der Aufbau einer klassischen Socke
Eine Socke, die von oben nach unten gestrickt wird (Top-Down-Konstruktion), besteht aus fünf klar definierten Abschnitten. Zu verstehen, was jeder Abschnitt leistet, macht das Stricken deutlich einfacher.
1. Bündchen (Cuff)
Die obere Abschlusskante. Wird in Rippe gestrickt – abwechselnd rechte und linke Maschen (1x1 Rippe oder 2x2 Rippe). Die Rippe gibt Elastizität: Das Bündchen kann sich dehnen, damit die Socke über den Knöchel passt, und zieht sich dann wieder zusammen, damit sie oben nicht herunterrutscht.
Länge des Bündchens: Kurz (3–4cm) für Sneakersocken. Lang (8–10cm) für Kniestrümpfe. Standard-Socken haben ein 3–5cm langes Bündchen.
2. Schaft (Leg)
Der Teil der Socke zwischen dem Bündchen und der Ferse. Der Schaft kann schlicht (alle Maschen rechts) oder mit Mustern versehen werden: kleine Lace-Elemente, Rippmuster, Zöpfe, oder Farbwork.
Für das erste Paar empfehlen wir einen schlichten Schaft in Glattrechts oder einem einfachen Ripp. Das ermöglicht schnelles, entspanntes Stricken.
Länge des Schafts: Variiert nach Geschmack. Kurze Söckchen haben kaum einen Schaft. Standard-Socken haben 10–15cm Schaft. Kniestrümpfe 25–35cm.
3. Ferse (Heel)
Der technisch interessanteste und konstruktiv wichtigste Teil. Die Ferse wird nicht in der Runde gestrickt, sondern flach – hin und zurück – um die Kurve zu bilden, die die Ferse umschließt. Es gibt mehrere Fersentypen:
Flap-Ferse (Heel Flap + Gusset): Die traditionelle Methode. Du strickst zunächst ein flaches Fersenblatt (meist aus der Hälfte aller Maschen), dann nimmst du seitlich Maschen auf (Gusset) und strickst dich durch einen Abnahmebereich wieder zur vollen Maschenzahl. Diese Ferse ist robust, gut gedämpft und die haltbarste Variante – ideal für Alltagssocken.
Short-Row-Ferse (Kurze Reihen): Runder und einfacher zu stricken. Durch Kurzreihen wird eine Fersenkurve geformt, ohne Maschen aufzunehmen oder abzunehmen. Das Ergebnis ist nahtloser, fühlt sich für manche Füße angenehmer an.
German Short Rows (Boomerang-Ferse): Eine Variante der Kurzreihen-Ferse, die sehr beliebt ist. Die „Double Stitch"-Technik erfordert allerdings etwas Übung, damit an den Wendepunkten keine kleinen Löcher entstehen – das kann beim ersten Mal frustrierend sein.
Empfehlung für das erste Paar: Die Flap-Ferse (Käppchenferse) ist oft der einsteigerfreundlichste Weg, weil man die Konstruktion physisch nachvollziehen kann – man sieht das Fersenblatt entstehen und versteht die Logik der Abnahmen. German Short Rows sind eine gute Alternative, wenn man sich mit Kurzreihen bereits wohlfühlt. Beides ist gut dokumentiert und gibt klare, reproduzierbare Ergebnisse.
4. Fuß (Foot)
Der gerade Teil der Socke nach der Ferse bis zur Zehenspitze. Wird in der Runde gestrickt, meistens glatt rechts. Länge des Fußes: Messe die Fußlänge in Zentimetern und strick bis ca. 2–2,5cm vor der gewünschten Gesamtlänge (das ist der Abnahmebereich der Zehenspitze).
5. Zehenspitze (Toe)
Durch gleichmäßige Abnahmen wird die Zehenspitze geformt. Die Standard-Abnahme: In jeder zweiten Runde werden an zwei Punkten je 2 Maschen abgenommen, bis noch 12–16 Maschen übrig sind. Dann wird die Spitze mit dem Kitchener Stitch (Grafting) nahtlos geschlossen.
Der Kitchener Stitch ist eine Nähnaht, die mit einer Nähnadel und dem verbleibenden Faden die letzten Maschen zusammenfügt – ohne eine sichtbare Naht. Die erste Begegnung damit ist etwas einschüchternd, aber nach einmaligem Durchlesen und langsamen Ausführen wird es verständlich.
Größe bestimmen: Wie passt die Socke?
Das Wichtigste für die Passform: Messe den Umfang deines Fußes an der breitesten Stelle (über dem Ballen) und subtrahiere ca. 10% für den „negativen Ease" – Socken werden kleiner gestrickt als der Fuß, damit sie angenehm anliegend sitzen und nicht schlabbern. 10% ist der bewährte Standard; weniger führt oft dazu, dass die Socke nach einer Stunde Tragen locker sitzt, weil die Wolle sich entspannt.
Beispiel: Fußumfang 22cm → Sockenumfang anstreben: ca. 20cm.
Die Anleitung gibt an, wie viele Maschen für welchen Umfang angeschlagen werden. Die Maschenprobe bestimmt, ob die Maschenzahl mit deiner Nadelstärke den richtigen Umfang ergibt.
Standardmaschenzahlen für Erwachsene bei ca. 32 Maschen/10cm:
– Sehr kleiner Fuß (unter 20cm): 48–56 Maschen – Normaler Damenfuß (20–22cm): 56–64 Maschen – Großer Damenfuß / Normaler Herrenfuß (22–25cm): 64–72 Maschen – Großer Herrenfuß (über 25cm): 72–80 Maschen
Zwei Socken gleichzeitig stricken
Das „zweite Socken-Syndrom" ist real: Du hast die erste Socke fertig – und hast keine Lust mehr auf die zweite. Die Lösung: beide Socken gleichzeitig stricken.
Das funktioniert entweder mit Magic Loop (zwei Socken auf derselben langen Nadel, mit zwei Knäueln) oder mit zwei separaten Aufnahmen auf zwei Nadelsets. Der Vorteil: beide Socken sind immer im selben Stadium. Wenn die erste Ferse fertig ist, ist die zweite auch fertig. Kein Motivationsproblem.
Wichtig: Für das erste Paar ist TAAT keine Empfehlung. Zwei Knäuel und zwei Socken auf einer Nadel führen bei Anfängern oft zu Verheddern und dem versehentlichen Zusammenstricken beider Socken. Stricke dein erstes Paar nacheinander – und probiere TAAT beim zweiten oder dritten Paar aus, wenn du dich mit der Sockenkonstruktion sicher fühlst.
Pflege selbst gestrickter Socken
Superwash-Garne (Hedgehog Fibres Sock, CowGirlBlues): Wollprogramm in der Maschine, 30°C, wenig Schleudern. Flach oder liegend trocknen.
Nicht-Superwash-Garne: Handwäsche bei kaltem Wasser. Nicht in der Maschine waschen.
Generell: Gestrickte Socken nie nass aufhängen (sie dehnen sich durch das Eigengewicht). Immer flach oder liegend trocknen.
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