Fading ist eine der schönsten Techniken im modernen Stricken – und gleichzeitig eine der zugänglichsten. Du nimmst mehrere Garne, die füreinander gemacht sind, und strickst sie so ineinander, dass eine Farbe sanft in die nächste übergeht. Das Ergebnis sieht aus wie von einer Farbkünstlerin komponiert. Die Technik ist simpel genug für Anfänger.
Dieser Artikel erklärt alles: Was Fading ist, welche Garne sich eignen, wie man Farben kombiniert, welche Übergangsmethoden es gibt – und welche Projekte für den Einstieg in die Fading-Welt besonders gut funktionieren.
Was bedeutet Fading beim Stricken?
Fading (vom englischen „to fade" – verblassen, übergehen) bezeichnet das graduelle Überblenden einer Farbe in die nächste. Im Stricken geschieht das, indem man über mehrere Reihen oder Runden hinweg von einer Farbe zur anderen wechselt – entweder durch einen klaren Farbschnitt (hartes Fading) oder durch sanftes Einarbeiten beider Farben gleichzeitig (weiches Fading).
Das beliebteste Fading-Format: das Fading-Tuch. Ein dreieckiges oder halbrundes Tuch, das mit einer Farbe beginnt und mit einer ganz anderen Farbe endet – mit fließenden Übergängen dazwischen. Jede Farbe nimmt mehrere Zentimeter Strickstück ein, dann kommt die nächste. Das Ergebnis ist ein Stück, das aussieht wie ein Sonnenuntergang oder ein Aquarellgemälde.
Aber Fading funktioniert nicht nur bei Tüchern: Fading-Schals, Fading-Socken, Fading-Pullover-Streifen, sogar ganze Pulloverjochs in Fading-Technik – die Anwendungen sind vielfältig.
Die richtige Garnwahl für Fading
Das Wichtigste beim Fading: Die Farben müssen zusammenpassen. Nicht identisch – aber harmonieren. Dafür gibt es zwei Wege:
Weg 1: Eine Marke, eine Palette
Wenn du mehrere Farben desselben Garns kombinierst, sind alle anderen Variablen – Grammatur, Fadendicke, Textur, Strickverhalten – automatisch identisch. Du musst dich nur um die Farbwahl kümmern.
KFO Merino ist für Fading-Projekte ideal: Über 90 sorgfältig kuratierte Farbtöne in derselben Garnqualität. Die Palette ist so konzipiert, dass viele Töne miteinander harmonieren. Eine klassische Fading-Kombination könnte aussehen: Pomegranate → Raspberry Red → Red Currant → ... – sanfte Übergänge von kaltem Rosa hin zu warmem Rostrot, alle in derselben Garnqualität.
KFO Heavy Merino funktioniert genauso – ideal für Fading-Pullover oder große Tücher, die in DK gestrickt werden.
Weg 2: Handgefärbte Fading Sets
Viele Handgarnfärber bieten explizite „Fading Sets" an – mehrere Knäuel in aufeinander abgestimmten Farben, die zusammen für ein einziges Projekt konzipiert sind. Der Vorteil: Die Farbauswahl wurde von der Färberin gemacht. Du musst nichts kombinieren – du strickst einfach.
Madelinetosh und La Bien Aimée bieten regelmäßig Fading Sets an. Die Farben sind dabei so gewählt, dass die Übergänge fließend und harmonisch wirken.
CowGirlBlues ist ein besonderer Fall: Viele CowGirlBlues-Knäuel enthalten innerhalb eines einzelnen Knäuels bereits einen Farbverlauf. Beim Stricken wechseln die Farben automatisch – ohne dass du aktiv wechseln musst. Das gibt Fading-Socken ohne Planung.
Wie wählt man Fading-Farben?
Die schwierigste Frage beim Fading: Welche Farben kommen zusammen? Einige Prinzipien, die funktionieren:
Das Farbrad als Leitfaden: Analogfarben – Farben, die im Farbrad nebeneinander liegen – blenden natürlich ineinander. Gelb → Gelbgrün → Grün funktioniert immer. Blau → Violett → Rosa auch. Komplementärfarben (gegenüberliegend im Farbrad) erzeugen lebhaftere Kontraste – interessant, aber anspruchsvoller in der Planung.
Unterschiedliche Helligkeit (Value): Eine dunklere und eine hellere Version desselben Tons gehen praktisch immer zusammen. Dunkelblau → Mittelblau → Hellblau ist ein sicherer Einstieg.
Neutrale Anker: Ein neutraler Ton (Grau, Creme, Off-White) in der Mitte eines Fading-Projekts kann als Puffer zwischen zwei Farben dienen, die alleine vielleicht nicht gut zusammen kommen würden.
Der Fototest: Lege die Knäuel nebeneinander auf einen neutralen Hintergrund und fotografiere sie. Auf dem Foto sieht man oft klarer, ob Farben harmonieren oder kollidieren, als wenn man live draufschaut. Das Foto reduziert die Komplexität und zeigt die reine Farbbeziehung.
Weniger ist oft mehr: Für den Einstieg sind zwei bis drei Farben leichter zu handhaben als fünf. Zwei Farben mit einem schönen Übergang sind wirkungsvoller als fünf, die nicht ganz zusammenpassen.
Die drei Übergangsmethoden
Wie du von einer Farbe zur nächsten kommst, beeinflusst den Charakter des Farbwechsels erheblich. Es gibt drei grundlegende Methoden:
Methode 1: Harter Farbwechsel
Du wechselst nach einer bestimmten Anzahl von Reihen einfach zum neuen Garn. Klare Streifen. Keine Vermischung. Die Farben grenzen direkt aneinander.
Das ist die einfachste Methode – und bei gut gewählten, harmonischen Farben auch sehr wirkungsvoll. Ein hartes Fading mit Tönen, die nah beieinander liegen (Hell- und Dunkelrosa, zwei Blautöne) wirkt sanfter, als der Begriff vermuten lässt.
Tipp: Bei einem harten Farbwechsel in Runden (Socken, Mützen) entsteht eine saubere Nahtlinie. Bei Tüchern, die hin und her gestrickt werden, entstehen saubere Streifen.
Methode 2: Weiches Fading durch abwechselnde Reihen (Held Stitch / Stripe Alternation)
Für einen weicheren Übergang strickst du eine bestimmte Anzahl von Reihen mit beiden Farben abwechselnd: eine Reihe Farbe A, eine Reihe Farbe B, eine Reihe A, eine Reihe B – für 6 bis 10 Reihen. Dann weiter nur mit Farbe B.
Das ergibt einen verwischten, gemischten Übergangsbereich. Die beiden Farben verbinden sich visuell, ohne wirklich vermischt zu sein. Besonders bei ähnlichen Farbtönen wirkt das wie ein sanftes Ineinanderfließen.
Methode 3: Fade-Stripe (strukturierter Übergang)
Eine Kombination aus beiden Methoden: 10 Reihen rein mit Farbe A. Dann 8 Reihen abwechselnd A und B. Dann 10 Reihen rein mit Farbe B. Das ergibt einen klar sichtbaren, aber sanften Übergang – strukturiert genug, um als bewusste Gestaltung erkennbar zu sein, weich genug, um die Farben miteinander zu verbinden.
Diese Methode funktioniert besonders gut bei Tüchern, bei denen die Übergänge als Gestaltungselemente sichtbar sein sollen.
Fading-Projekte: Was sich besonders gut eignet
Dreieckstuch (klassisches Fading-Projekt)
Das Dreieckstuch ist das Paradebeispiel für Fading – und das aus gutem Grund. Du beginnst an der Spitze mit einer einzigen Masche (oder einem kleinen CO), strickst dich nach außen, und das Stück wächst symmetrisch auf beiden Seiten. Der Farbwechsel findet statt, wenn du mit einer Farbe fertig bist oder wenn das Tuch groß genug für den nächsten Ton ist.
Drei bis fünf Farben ergeben ein wunderschönes Ergebnis. Die Technik selbst braucht nichts außer gerader Strickarbeit und Zunahmen an den Seiten – keine Muster, keine Komplexität. Ideal für den Einstieg in Fading.
Für Fingering-Garn (KFO Merino oder Madelinetosh TML) werden Nadelgröße 2,5–3mm empfohlen. Für DK/Worsted-Gewicht (KFO Heavy Merino) sind 3,5–4mm ideal.
Halbrundes Tuch
Breiter und flacher als das Dreieck. Du beginnst am geraden Rand mit einem kleinen CO und strickst dich bogenförmig nach außen. Der Charakter ist großzügiger und lässt sich gut als Schal um die Schultern tragen.
Fading macht sich im halbrundes Format besonders gut, weil die Farbbänder breiter werden, je weiter das Tuch wächst – die spätere Farbe hat mehr Fläche als die frühere. Das muss man in der Farbplanung berücksichtigen: Die erste Farbe sieht man weniger als die letzte.
Fading-Socken
Strick eine Socke von oben nach unten. Beginne mit Farbe 1 am Bündchen, wechsle beim Schaft zu Farbe 2, optional noch einmal bei der Ferse oder dem Fuß. Zwei Farben reichen für ein schönes Ergebnis.
Der Vorteil bei Socken: Die zweite Socke muss nicht identisch sein – beim Fading ist leichte Variation zwischen den Paaren oft erwünscht und charakteristisch.
Fading-Mützen
Kurze Fading-Projekte für schnelle Ergebnisse. Beginne am Rand mit Farbe 1, wechsle nach einigen Zentimetern zu Farbe 2, optional noch einmal zur Spitze hin. Eine Mütze in zwei Farben mit weichem Übergang ist in einem Abend gestrickt.
Fading-Pullover
Für Fortgeschrittene – aber keine Hexerei. Ein Pullover, der am Saum mit einer Farbe beginnt und an den Schultern mit einer anderen Farbe endet. Die Farbwechsel folgen dem natürlichen Strickfluss von unten nach oben. Besonders schön bei Raglan- oder Joch-Konstruktionen, bei denen das Joch die letzte und meistgesehene Farbe trägt.
Praktische Tipps für bessere Fading-Ergebnisse
Alle Knäuel aus derselben Charge kaufen: Wenn du mehrere Knäuel derselben Farbe brauchst, kaufe sie in einem Mal aus derselben Färbecharge. Chargenunterschiede innerhalb einer Farbe können sichtbar sein – besonders bei einfarbigen Stücken.
Fäden einarbeiten, nicht verknoten: Bei Farbwechseln die Fäden lieber 5–6 cm lang lassen und mit einer Wollnadel einarbeiten. Knoten im Strick können von der Oberfläche durchschimmern oder sich lösen.
Blockieren nach dem Waschen: Fading-Tücher gewinnen durch Blockieren erheblich. Das gleichmäßige Aufspannen setzt die Maschen und öffnet das Strickbild – besonders sichtbar bei Lace-Tüchern und offeneren Mustern.
Unser Farbkombi-Service hilft, wenn du dir bei der Auswahl nicht sicher bist: Schreib uns bei der Bestellung, welche Stimmung oder welche Farbtöne du dir vorstellst – wir machen Kombinationsvorschläge.
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